Thema 2020

The Summit and Beyond

Das DMFF Programm 2020 beschäftigt sich mit dem Thema „Der Gipfel und darüber hinaus“. Hiermit werfen wir die Frage auf, ob es im Leben tatsächlich darum geht, auf einen offensichtlichen Höhepunkt hinzuarbeiten. Ist das Abhaken einer Bucket-Liste oder das Aufnehmen des perfekten Instagram-Fotos der Grund, warum wir uns Herausforderungen stellen? Und sind die Bergsteiger und Kletterhelden, zu denen wir aufschauen, immer noch Helden, wenn sie es nicht bis zur Spitze schaffen? Sind wir nicht alle zu sehr auf das Höchste, das Beste, das Teuerste fixiert, und vergessen wir nicht das Kleine, das Nahe, das Wertvolle? Streben wir nicht zu sehr nach dem nahezu Unerreichbaren und verpassen dabei das eigentliche Glück?

 

Streben wir zu sehr nach dem Gipfel des Glücks?

Wir haben dies dieses Jahr sehr deutlich gelernt, dass wir unendlich viele Pläne machen können, aber niemals alles unter Kontrolle haben. Der Klimawandel und insbesondere die COVID-19-Krise zwingen uns, unsere Ziele und Ambitionen anzupassen. Die Gletscher ziehen sich zurück und die Winter sind weniger schneesicher. Die Frostgrenze steigt immer höher und macht ganze Kletterrouten und Pfade unpassierbar. Tier- und Pflanzenarten verschwinden buchstäblich wie Schnee in der Sonne. Wenn der Gipfel unser Ziel war, ist die Frage, ob wir ihn jetzt überhaupt noch erreichen können.

Die Natur war schon immer der Schauplatz unserer Handlungen, und umgekehrt haben unsere Handlungen die Natur beeinflusst. Jetzt, da wir zunehmend von Technologien abhängig und permanent digital verbunden sind, suchen wir mehr denn je nach Ablösung und Abwechslung in der Natur, vorzugsweise weit weg von ausgetretenen Pfaden. Wir sehnen uns nach Abenteuern, übermenschlichen Errungenschaften und Eroberungen des Unbekannten jenseits der sicheren Grenzen unseres Alltags. Wir pflegen eine romantische Sehnsucht nach „unberührter“ Natur, aber unser Verhältnis zur Natur hat sich geändert.

Wie können wir diese offensichtliche Heuchelei erklären? Was ist der Gipfel noch wert, wenn wir wie im letzten Jahr Bilder von Hunderten, manchmal unerfahrenen und oft verwöhnten Touristen auf dem Weg zum höchsten Berg der Welt sehen? Um dieses „einzigartige“ Instagram-Foto zu knipsen, nehmen sie Gefahren für das eigene, aber vor allem für das Leben anderer Menschen in Kauf.

Cartoon: Tejohaas
Sollte der Gipfel das Ziel sein?

Die Himalayan Database, das angesehene Institut, das von der kürzlich verstorbenen Elizabeth Hawley gegründet wurde, erfasst die Besteigungen der nepalesischen Gipfel. Aus dieser Datenbank und auch aus Eberhard Jugalskis Recherchen auf 8000ers.com geht hervor, dass viele behauptete Gipfelerfolge gelinde gesagt fragwürdig sind. Für den Manaslu, einen relativ leichten 8000er, aber mit einem langen, trickreichen und gefährlichen Gipfelgrat, zeigt eine Bestandsaufnahme im Jahr 2016, dass nur 15 der behaupteten 175 Gipfelerfolge tatsächlich den wirklich höchsten Punkt betrafen. Die restlichen Aufstiege endeten an der Spitze der Fixseile auf dem oberen Grat.

Die Frage ist, was ist ein echtes Top? Einige Kletterer sprechen von der „Toleranzzone“, innerhalb derer ein Gipfel beansprucht werden kann. Für professionelle Bergsteiger und kommerzielle Reiseführer sind die Interessen hoch und gescheiterte Gipfel buchstäblich ein Strich durch die Rechnung. Also schweigen sie, kneifen ein Auge zu oder treffen Falschaussagen.

Checkliste

In der Vergangenheit wurden Berggipfel noch für Fürst und Vaterland erobert, für die Wissenschaft für um das romantische Ideal, als erster auf der Sitze des Berges zu stehen.
Heute sucht man fast vergeblich nach einem jungfräulichen Gipfel und reduziert die Besteigung auf eine sportliche Leistung auf einer Checkliste. Technologie und digitale Medien haben die Risiken solcher Touren minimiert und die entferntesten und höchsten Bergspitzen in Reichweite gebracht. Der Gipfel ist ein kommerzielles Produkt geworden, ein Touristenziel.

Wie können wir unseren Platz in der Natur wiederfinden? Wenn dieser nicht ganz oben ist, wo ist er dann? Vielleicht viel näher zu Hause, auf den unbenannten Hügeln, bei den zufälligen Begegnungen, dem Regenbogen und der Schlammpfütze. Vielleicht, wenn wir erkennen, dass wir selbst Teil der Natur sind und damit die Folgen des Klimawandels und der Pandemien beeinflussen. Lassen Sie uns nicht nach oben, sondern darüber hinaus zielen: The Summit and Beyond.

Frühere Themen des Dutch Mountain Film Festivals:
  • 2015: Da wo die Berge beginnen
  • 2016: Back to Basic
  • 2017: Alexander von Humboldt
  • 2018: Mountain Refuge
  • 2019: Holy Mountain