Die Siegerfilme der DMFF Awards 2021

Die Sieger der DMFF Awards

Bei der Preisverleihung des 11. Dutch Mountain Film Festivals am 5. November 2021 wurden die Gewinner der fünf DMFF Awards ausgezeichnet:

 

  • Gewinner des Crossborder DMFF Award 2021 ist der Film Wall of Shadows von Eliza Kubarska.
  • Der Parkstad Limburg Jury Award 2021 ging an Brenva by Winter von Thibaut Sichet.
  • Den Spiegel Best Newcomer Award 2021 gewann Cold Feet vonn Ash Mulama.
  • Der DAV Climate Award 2021 wurde erstmals verliehen an Songs of the Water Spirits von Nicolò Bongiorno.
  • Sieger des Best Mountaineering Award 2021 für den besten Bergsteigerfilm ist ebenfalls der Film Brenva by Winter van Thibaut Sichet.

 

Fotos der Award Show am Freitag, den 5. November 2021

 

DMFF#11 Awardshow / Friday

Crossborder DMFF Award 2021 – Grand Prize

Wall of Shadows – Eliza Kubarska

 

“Ich sagte doch, dass es in diesem Film nicht ums Klettern geht”, meint einer der Bergsteiger in diesem Film, “es geht um Menschen”. Er hat einerseits Recht aber andererseits auch wieder nicht. In diesem Film geht es um die Menschen, die in den Bergen leben und nicht nur dort klettern. Es ist ein kraftvolles, atemberaubendes Porträt einer Sherpa-Familie, die im Bergsteigergewerbe arbeitet und versucht, Geld aufzutreiben, damit ihre Kinder dem harten Leben im Himalaya entkommen können. Aber er ist weit mehr als das. Die Filmaufnahmen sind großartig, in düsteren und eisigen grau-blauen Farben gehalten, die Kamera hält sich an die Figuren und die Geschichte, das Szenario ist hervorragend und die Dialoge sind heftig. Dieser Film ist von Menschen aus den Bergen gemacht. Wir werden Zeuge der Lebensfragen einer Familie, als wären wir bei ihnen, aus der Sicht eines Sherpa, der uns hilft, ihr Schicksal zu verstehen. Außerdem zeichnet sich Wall of Shadows durch eine wunderschöne Musik aus, die die Kühle und die Pracht der eisigen Landschaft widerspiegelt.

 

Ich will nicht, dass mein Sohn klettert”, “Was haben wir für eine Wahl”, “Es gibt einen Gott, aber wir müssen über die Runden kommen”, “Wenn du nicht kletterst, kann ich dich nicht bezahlen” – einfache Sätze, die eine schwierige Welt zeichnen, in der der Sherpa noch die Steigeisen des Bergsteigers feilt. Die Stars in diesem Dokumentar-/Spielfilm sind Weltklasse: Ngada Sherpa, Jomdoe Sherpa, Dawa Tenzing Sherpa (neunmal auf dem Everest!) sind vor der Kamera ganz zu Hause. Der Filmemacherin Eliza Kubarska ist es gelungen, dem Zuschauer die Probleme der Bergsteiger in Bezug auf Wettbewerb und Demut gegenüber der Natur näher zu bringen, während sie versuchen, den Kumbhakarna zu besteigen, den heiligsten aller Berge, der eigentlich gar nicht bestiegen werden soll. Dieser Film lässt den Zuschauer bereitwillig über die Grenzen des menschlichen Welt- und Selbstverständnisses nachdenken.

Der DMFF Award wird durch die Gemeinde Heerlen und die Stadt Aachen gestiftet.

Parkstad Limburg Jury Award

Brenva by Winter – Thibaut Sichet

 

Die Jury musste sich diesen Film zweimal ansehen – eine atemberaubende, wahre Geschichte, die in einer Welt, in der jeder Berg bereits bestiegen ist, wieder zum Leben erwacht.

Thibaut Sichet versetzt uns 63 Jahre in der Zeit zurück, indem er alte Filmtechniken verwendet und historisches Filmmaterial mit neuen Bildern mischt. Die Geschichte von Vincendon und Henry, zwei Freunden, die im Winter den Brenvasporn am Mont Blanc besteigen, wird auf diese Weise wiederbelebt und erinnert uns daran, dass es eine Zeit gab, in der das Abenteuer ein echtes Abenteuer war, unerbittlich und kalt, aber dass die Gründe, in die Berge zu gehen, immer noch dieselben sind. Der Regisseur wendet sich mit seinen eigenen Gefühlen gegenüber den Bergen an die beiden jungen Männer. Er fragt sie, ob sie hofften zu überleben, nachdem sie einen Rettungshubschrauber gesehen hatten. Alles in allem zeichnet sich dieser Film durch eine meisterhafte Verwendung von Archivmaterial in Kombination mit neuen Aufnahmen aus, die ein Bild der Ernsthaftigkeit und des Grauens aufbauen, aber auch die große Frage des Bergsteigens leichter verständlich machen: das Warum.

Der Parkstad Limburg Jury Award wird von der Stadsregio Parkstad Limburg gestiftet.

Spiegel Best Newcomer Award

Cold feet – Ash Mulama

 

Seit Free Solo weiß jeder, was Free Soloing ist, Klettern ohne Seil und Sicherung – aber was wäre, wenn man das barfuß machen würde, wäre das nicht das nächste große Ding? Dieser aufmunternde, frische, energiegeladene und junge Dokumentarfilm handelt von den Träumen eines jungen Mannes aus Kenia, der hart im Fitnessstudio trainiert, um ein guter Kletterer zu werden, aber weiß, dass gut nicht genug ist: Man muss sich von der Masse abheben und die Gefahr des Sports voll und ganz annehmen. Der Titel Cold Feet – Kalte Füße ist also durchaus wörtlich zu nehmen.

Filmemacher Ash Mulama begleitet den Bergsteiger Peter Naituli als Freund bei seinem Versuch, den Mount Kenya barfuß zu erklimmen, indem er seine Füße mit Sandpapier bearbeitet und sich einredet, dass dies der einzige Weg ist, um wirklich eine Verbindung zum Berg herzustellen. Die enorme Anstrengung, die mit dem Erreichen des Gipfels verbunden ist, und die Art und Weise, wie sie gefilmt wurde, machen diesen Dokumentarfilm zu etwas Besonderem. Wir sehen aber auch einen Vater, der sich über seinen Sohn wundert, der kein Geschäftsmann werden will, sondern bereits mit siebzehn Jahren Bergführer wird – andere Bergführer meinen, er sei bei den Kunden beliebt, weil er Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters ist. Musik, Ton und Bild sind im Gegensatz zu Free Solo ein wenig hausgemacht, aber die Geschichte und die Energie, die sie mit sich bringt, sind stark. Darum gewinnt der Film den Newcomer Award. Und es gibt etwas, das so vielen anderen Filmen über Berge und Bergsteiger fehlt: Humor und menschliches Verständnis. Wir schauen auf Peters Oma, die zu singen beginnt, und auf den Regisseur und Kameramann, der seine Freundschaft mit Peter feiert. Hoffentlich ist dieser Film der Beginn zweier brillanter Karrieren.

DAV Climate Award 2021

Songs of the Water Spirits – Nicolò Bongiorno

 

Ein Strom leerer Wasserflaschen, ein Gletscher aus Plastik – das ist ein starker und trauriger Beweis für das, was auf dem Dach der Welt geschieht. Ladakh, eine Himalaya-Provinz, die in den täglichen Nachrichten nie auftaucht, führt uns die Gefahren der Modernisierung, der Globalisierung und des Tourismus vor Augen. Diese zerstören die uralte Natur und Kultur dieses schönen und wenig bekannten Teils der Welt. Visuelle Poesie und die Symbolik des Wassers werden kohärent mit spezifischen Informationen über diesen besonderen Ort

Dieser starke Dokumentarfilm unterscheidet sich von vielen anderen Filmen, die den Klimawandel und die kulturelle Verflachung im Hochgebirge thematisieren, weil er all diese Geschichten auf einmal erzählt: Das Verschwinden der 1300 Jahre alten Bhoti-Sprachen, das Auftauchen reicher Touristen, die mit ihren Geländewagen und Motorädern durch die zerbrechliche Landschaft fahren, die Schwierigkeiten, die alte buddhistische Lebensweise, den Ibis und den Glauben zu bewahren – wie so vieles, das durch Geld und Macht bedroht ist. Die Geschichte wird durch vier starke Persönlichkeiten erzählt, von der jungen Anwältin, die gegen den verheerenden Tourismus kämpft, bis hin zu dem älteren Wissenschaftler, der versucht, alte Sprachen zu retten, bevor sie aussterben.

Der Film ist ein starkes Medium – die Invasion des indischen Tourismus in Ladakh begann mit dem Film Three Idiots, der entlang der zerklüfteten Flüsse des tibetischen Plateaus gedreht wurde. Nun baut die Stadt Leh immer mehr Hotels, breitet sich entlang der Hügel aus und kämpft mit dem Generieren von Eisstupas darum, in dieser hochgelegenen Wüste genügend Süßwasser zu finden. Hoffen wir also, dass dieser Dokumentarfilm in genau der anderen Richtung genauso wirkungsvoll ist.

Der DAV Climate Award wird von der Sparda-Bank West gestiftet.

Best Mountaineering Film Award

Brenva by Winter – Thibaut Sichet

 

Rettungseinsätze in den Bergen scheinen heutzutage “business as usual” zu sein. Unter anderem dank Mobil- und Satellitentelefonie können Retter per Knopfdruck gerufen werden. Evakuierungen aus steilen Alpenwänden wie dem Matterhorn oder den Grandes Jorasses sind in der Hochsaison fast an der Tagesordnung. Und selbst im Himalaya werden immer häufiger Hubschrauberrettungen durchgeführt, oft in großen Höhen.
Es ist kaum vorstellbar, dass vor “nur” 63 Jahren Bergrettungen ein prekäres Geschäft waren und nur selten stattfanden. Und schon gar nicht im Winter! Diejenigen, die sich auf solche Abenteuer einließen, waren auf sich allein gestellt. Viele Bergsteiger/innen haben sich einst auf den Weg gemacht, um ihren Traum zu verwirklichen, sind aber nie zurückgekehrt. Sie blieben voft für immer erschollen, tief in eisigen Gletscherspalten oder schaurigen Felshöhlen.

Brenva by Winter erzählt die epische Geschichte zweier junger Bergsteiger, die mitten im Winter versuchen, die Brenva-Route am Mont Blanc zu klettern. Auf Grund ihrer Unerfahrenheit und wegen eines raschen Wetterumschwungs werden sie von einem schrecklichen Sturm heimgesucht. Über 10 Tage lang kämpfen sie in 4.000 Metern Höhe um ihr Leben. Zwei riskante Rettungsaktionen mit dem Hubschrauber schaffen es nicht, sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien.
Über diese Tragödie und die Rettungsmaßnahmen ist viel geschrieben worden. Im Jahr 2002 wurde bereits ein Film darüber gedreht (Les naufragés du Mont Blanc, Denis Ducroz, 2002). Thibaut Sichet hat jedoch einen anderen Ansatz für seine Dokumentation gewählt: Anhand verschiedener historischer Filmaufnahmen aus den 1950er Jahren werden die Vorkommnise neu erzählt. Der größte Teil des Bildmaterials ist (natürlich) nicht spezifisch für die Tragödie, dennoch ist es Sichet gelungen, eine fesselnde Geschichte zu präsentieren. Das liegt weniger an seinem Versuch, eine persönliche Note einfließen zu lassen (einschließlich des Voice-over), sondern vor allem an der stimmungsvollen und fesselnden Montage von historischen Filmfragmenten sowie an der wirkungsvollen Sounduntermalung. Alles in allem ist Thibaut Sichet ein intimes filmisches Dokument gelungen, das Raum für eigene Überlegungen lässt. In ästhetischer Hinsicht handelt es sich um einen echten Bergsteigerfilm, der sich auf originelle Weise von zeitgenössischen Mainstream-Kletter- und Abenteuer-Action-Produktionen abhebt.

Der Best Mountaineering Film Award wird verliehen und gestiftet durch Klimwandspecialist.nl