Der Berg des Schicksals

Jahr: 1924

Direktor: Arnold Fanck

Spielzeit: 76 Min

Sprache: Stummfilm mit Livemusik

Untertitel: -

4 November 2022 - 19:00

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Die obsessive Fixierung zweier Generationen von Bergsteigern auf eine Erstbesteigung wird in diesem Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahr 1924 mit großer Dramatik erzählt. Der Vater stirbt bei seinem ersten Versuch. Später, als der Sohn heranwächst und ebenfalls Alpinist wird, verspricht er seiner Mutter, sich nicht auf diesen Schicksalsberg zu wagen. Aber seine Liebste will genau diesen Berg besteigen und gerät natürlich in Schwierigkeiten. Als das Echo ihres Hilferufs das Tal erreicht, entbindet die Mutter den Sohn von seinem Versprechen, damit er das Mädchen retten kann.

Vor dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1913, als Arnold Fanck noch als Skilehrer tätig war, drehte er einen Dokumentarfilm über eine Besteigung des Monte Rosa. Seitdem gilt Fanck als einer der wichtigsten Pioniere des Berg-, Sport-, Ski- und Naturfilms. Er war Produzent, Regisseur, Autor und Kameramann zugleich und arbeitete mit Kamerapionieren wie Sepp Allgeier und Hans Schneeberger zusammen. Zunächst drehte er Filme über Ski- und Gletschertouren, doch 1924 wandte er sich mit Der Berg des Schicksals zum ersten Mal dem Thema Bergsteigen zu. Der junge Luis Trenker, die Ikone des deutschen Bergfilms, glänzt in der Hauptrolle.

Der Bergfilm, vielleicht das einzige Genre deutschen Ursprungs, geriet in Misskredit, weil er als protofaschistischer Vorläufer der Blut- und Bodenfilme des Dritten Reiches galt. Man kann diese Filme aber auch auf eine andere Weise betrachten. In ihnen spiegelt sich das ambivalente Verhältnis zwischen Mensch und Natur wider. Filmhelden, die oft in monumentalen Kulissen zu verschwinden drohen, müssen sich in das alpine Abenteuer stürzen, um ihre männliche Identität wiederzufinden. In diesem Sinne kann die Selbstbewährung am Berg auch als Spiegelbild der verunsicherten “kastrierten” Kriegsgeneration interpretiert werden. Schließlich gab es in der Nachkriegszeit keine Gelegenheit für heroische Gefühle. Das Bergmotiv war im Genre des Heimatfilms noch präsent, aber nur noch als malerische Kulisse.

Ganz in der Tradition und als Echo dieser goldenen Pionierzeiten des Kinos gibt es zum Film Livemusikbegleitung.

Dieser Film wird wird während der Award Night zusammen mit dem Siegerfilm des DMFF Crossborder Awards 2022 gezeigt.