Andrew Davies zeigt uns die Schönheit von Landkarten

Andrew Davies ist der Mensch hinter Mapping the Mountains

1984 tauschte Andrew die Moore seiner Heimat in England gegen die Limburger Hügel. Seit seiner Kindheit hat er eine Faszination für Karten, die Berge und die Natur. Die Berge und Ihre Sagen sind natürlich wunderbar, aber es gibt auch hier in der nahen Umgebung viel zu entdecken.

 

Andrew, wie ist deine Faszination für Karten und Berge entstanden?

‘Mein Vater arbeitete im Büro im Zentrum von Manchester und eines Tages kam er mit einem gerahmten Bild des Matterhorns nach Hause, das jahrelang über dem Kamin hing. Ich fiel in den Bann des Matterhorns und der Geschichten, die es umgaben, insbesondere Edward Whympers rücksichtslose Taten und seine Erstbesteigung dieses legendären Berges.
Trotz der Faszination meines Vaters für einen Berg in den Alpen waren meine Eltern nicht gerade fanatische „Outdoor-Typen“. Sie liebten jedoch die Natur und die Ruhe und suchten jeden Sommer abgelegene Orte in Wales oder Schottland auf. Ich war sehr gerne in den Bergen und war immer traurig, wenn wir nach Hause mussten. Meine Mutter nannte mich eine Bergziege. Außerdem war ich damals schon sehr räumlich interessiert, was ich als eine Art sechsten Sinn betrachte: Wenn ich auf einem Berg stand, war ich immer neugierig auf alle anderen Sehenswürdigkeiten in der weiteren Umgebung. Da ist es sinnvoll, eine Karte als Werkzeug zu verwenden, um die Landschaft zu entdecken. Für viele Menschen ist ein Fotoalbum die ultimative Erinnerung an einen Urlaub, für mich ist es eine Karte!
Seit mein Vater 2014 verstorben ist, hängt dieses Foto vom Matterhorn in meinem Haus in Heerlen.’

Das Matterhorn über dem Kamin (links) und Urlaub auf dem Ben Nevin in Schottland (rechts)
Hast Du jemals selbst versucht, ein Gebiet zu kartieren? Die Limburger Hügel sind nämlich der Ort, an dem die Berge beginnen.

‘Ehrlich gesagt nicht. Aber oft schreibe ich als Erinnerung an eine faszinierende Reise in die Berge oder anderswo ein Tagebuch und zeichne mir eine Karte meiner Wanderungen. Die beste Erinnerung an ein solches Abenteuer ist jedoch eine detaillierte topografische Karte des Gebiets. Wenn es die nicht gibt – und die Chance dazu ist in vielen Ländern tatsächlich groß – ist mein Urlaub immer noch ein bisschen ruiniert!
Für Süd-Limburg ist meine Sammlung von 1: 25.000 topografischer Karten des Gebiets wirklich unverzichtbar.’

Wie oft verwendest Du heute noch Karten? Ein digitales Navigationssystem ist doch heutzutage viel unkomplizierter.

‘Wie eine ordentliche Tasse englischen Tees gehören Karten zu meinem Leben. Zuhause liegen sie überall rum, oft sogar auf der Toilette. Während des Lockdowns bin ich viel gewandert und geradelt und obwohl ich nach 36 Jahren in Limburg alle Wander- und Radwege in der Gegend kenne, begegnen mir viele Überraschungen. In vielen Fällen ist natürlich eine detaillierte Karte hilfreich, um die versteckten Ecken zu entdecken.
GPS und Karten sind wie der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Ein digitales Navigationssystem ist ein lustiges Spielzeug und sehr nützlich, wenn man von A nach B möchte, aber wirklich nutzlos, wenn Sie eine größere Umgebung erkunden will. Digitale Karten am Computer oder am Telefon sind ebenfalls großartige Werkzeuge, insbesondere unterwegs. Aber was gibt es Schöneres, als gemeinsam eine Papierkarte gemütlich auszufalten und auf dem Küchentisch zu studieren?’

Gemütliches Landkarten-Studieren auf dem Küchentisch
Letztes Jahr hast Du die Ausstellung Mapping the Mountains kuratiert. Wie bist Du auf die Idee hierzu gekommen?

‘Wie viele gute Ideen ist diese in einer Kneipe entstanden. Als DMFF-Freiwilliger hatten Toon und Thijs [DMFF-Direktoren] schon lange gewusst, dass Karten mein Ding sind, und sie neckten mich regelmäßig, um etwas über Bergkartographie zu organisieren: das passte zum Geist des Festivals. Nach einem Abend im Café Pelt [in Heerlen] im November 2018 haben sie mich endlich überzeugt. Als ich am nächsten Tag aufwachte, dachte ich, das sei eine furchtbare Idee. Aber nach und nach entwarf ich einen Plan und machte mich an die Arbeit. Glücklicherweise bekam ich auch viel Input von Kontakten in der IAMF und insbesondere von Kollegen der CAI-Nationalbibliothek in Turin. Ihr digitalisierter Katalog historischer Karten diente als eine Art Ausgangspunkt für das gesamte Setup:
https://caisidoc.cai.it/shelf/view/persistent:6260:2?sort=dateasc
Schließlich konnte ich auch auf die Unterstützung anderer DMFF-Kollegen zählen und hatte eine wunderbare Zusammenarbeit mit dem De Vondst, dem Limburger Zentrum für Archäologie, in dem die Ausstellung zu sehen war.
Die Arbeit war sehr intensiv, aber mir wurde keine Minute langweilig und ich bin auch sehr stolz auf das Endergebnis.’

Die Ausstellung wurde wegen ihres großen Erfolgs verlängert. Warum haben die Leute so viel Interesse an Karten?

‘Ich bin sicher nicht allein: Viele Menschen sind fasziniert von Karten. Sie rufen dazu auf Abenteuer zu erleben oder erinnern an eine schöne Erfahrung in der Vergangenheit. Jeder Besucher hatte sein eigenes Motiv, die Ausstellung zu besuchen, und wir hatten eine Vielzahl verschiedener Menschen in den Ausstellungsräumen. Nehmen wir zum Beispiel Bergwanderer, die auf einer historischen Karte ein bestimmtes Berggebiet erkannt haben, in dem sie schon einmal unterwegs waren. Auf der anderen Seite besuchte ein alter Minenmesser [jemand, der Minen-Stollen kartiert] die Ausstellung, um die unterirdischen Karten anzusehen, die wir vom nationalen Bergbaumuseum ausgeliehen hatten.
Mapping the Mountains beschäftigte sich natürlich mit der Entwicklung der Kartografie der Berge, aber um ehrlich zu sein, war diese Ausstellung in vielerlei Hinsicht eher eine Kunstausstellung als eine rein wissenschaftliche.’

Wird es 2020 eine Fortsetzung von Mapping the Mountains geben? Oder hast du andere Pläne?

Das Mapping the Mountains-Projekt ist noch lange nicht vorbei!
Für DMFF 2020 werden wir die Ausstellung aller Wahrscheinlichkeit nach Aachen bringen. Unsere Kollegen dort suchen jetzt nach einem geeigneten Ort, also bleib dran!
Auch andere (Bergfilm-) Festivals im Ausland zeigen Interesse. Das war übrigens immer unsere Absicht. Wenn wir die Ausstellung ins Ausland exportieren wollen, ist es natürlich wichtig, dass sie einen lokalen Bezug erhält. In Kanada ist es ja zum Beispiel viel interessanter Informationen über die Rockies aufzunehmen als über die Euregio.
Außerdem inspiriert mich das Thema so sehr (es gibt so viele weitere lustige Kartengeschichten zu entdecken!), Dass ich mit Unterstützung des DMFF längerfristig ein Buch zusammenstellen möchte. Was wollt ihr denn sonst noch!?’

Die Ausstellung Mapping the Mountains: Historische Karte der Alpen (links) und Führung durch die Ausstellung (rechts)
Und zum Schluss: Was könnten wir in unserer eigenen Umgebung entdecken?

‘Das ist eine knifflige Frage! Im Zusammenhang mit dem Lockdown habe ich kürzlich einen Blog über ‘urban walking’ geschrieben und darüber, was man alles direkt vor der eigenen Haustür erleben kann: http://cognate-conundrums.blogspot.com/2020/04/in-praise-of-urban-walking.html
Ich habe keinen absoluten Lieblingsort in der Gegend, aber bei klarem Himmel finde ich die Aussicht von der Vrouwenheide besonders schön: Von dort aus kann man fast die gesamte Euregio sehen.
Außerdem habe ich auf der DMFF-Website „Insidertipps“ für Menschen zusammengestellt, die von außerhalb der Region kommen.
Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs!’

Auf der Vrouwenheide

Ihr habt die Ausstellung Mapping the Mountains verpasst? Kein Problem. Wir haben alles für euch dokumentiert.

Hier findet Ihr Fotos

Und hier gibt es einen kurzen Film zur Ausstellung: